Karriere
So findest du Jobs, die nie ausgeschrieben werden
* Text: Emma Marx
* Bild: Julia Kluge
Input-Geberinnen: Cathy Narriman & Juliane Berghauser Pont
Etwa die Hälfte der offenen Stellen wird unter der Hand vergeben. Um Zugang zu diesem verdeckten Arbeitsmarkt zu bekommen, kommt es auf zwei Dinge an: herauszufinden, was du wirklich gerne tun möchtest – und möglichst viele Menschen kennenzulernen, die in diesem Bereich arbeiten.
Viele verzweifeln an der Jobsuche. Immer häufiger machen Jobsuchende die Erfahrung, dass sie auf ihre Bewerbungen keine Antwort erhalten. Und hinter einigen Stellenangeboten verbirgt sich in Wirklichkeit gar kein Job. Bei schätzungsweise 18 bis 22 Prozent der ausgeschriebenen Stellen handelt es sich um sogenannte Ghost Jobs, die Arbeitgeberinnen ausschreiben, obwohl sie die Positionen gar nicht oder zumindest nicht mit externen Bewerberinnen besetzen wollen. Auf der anderen Seite werden viele Stellen gar nicht ausgeschrieben, sondern über Kontakte besetzt. Nach Schätzung von Expert*innen trifft das auf mindestens 50 Prozent der freien Stellen zu.
Aus dieser Perspektive betrachtet, ergibt es gar nicht so viel Sinn, dass Jobsuchende ihre Tage damit verbringen, möglichst viele Bewerbungen zu tippen.
Stellenanzeigen sind keine Jobs
Hinzu kommt, dass Stellenanzeigen keine Jobs sind, sondern maximal gewissenhaft erstellte, aber doch immer irgendwie lückenhafte Beschreibungen von Jobs. Oft ist die Arbeit ganz anders als in der Anzeige beschrieben.
Arbeitsuchende passen ihren Lebenslauf mit viel Mühe auf die Stelle an, verbiegen und verstellen sich, geben sich „flexibel, engagiert und teamfähig“. Unternehmen auf der anderen Seite entwickeln immer komplexere, oft mehrmonatige und damit teure Bewerbungsprozesse. Und zum Schluss landet derdie vermeintlich beste Bewerberin in einem Job, der überhaupt nicht zu ihm*ihr passt. Beide Seiten bekommen nicht das, was sie wollen.
Dabei sollte es eigentlich darum gehen, den Job zu finden, der einerm liegt und zu einerm passt. Das klappt vor allem dann, wenn Jobsuchende genau wissen, wonach sie suchen.
Warum gibt es überhaupt Ghost Jobs?
Talent-Pipeline-Aufbau : Unternehmen erarbeiten eine Liste potenzieller Bewerberinnen, die wichtig wird, wenn wirklich Positionen besetzt oder geschaffen werden.
Außendarstellung** : Offene Stellen signalisieren Wachstum und Erfolg.
Marktanalyse : Stellenausschreibungen helfen Unternehmen, ein besseres Verständnis für potenzielle Bewerberinnen und die Konkurrenz zu bekommen, z.B. in Bezug auf Gehälter und verfügbare Fachkräfte.
Interne Gründe** : Manche Unternehmen, wie große Konzerne oder der öffentliche Dienst, sind verpflichtet, Positionen offiziell auszuschreiben, obwohl intern bereits klar ist, wer den Job bekom...